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Unter braunen Segeln

Seit vielen hundert Jahren gehört der Anblick dieser stolzen Segler zum Bild des Fischlandes: Das Zeesenboot (plattdeutsch: „Zeesboot“) wird erstmals in der Stralsunder Chronik als „Zeesekahn“ erwähnt. Traditionell gezeest wurde mit diesen Booten bis in die achtziger Jahre, dann hat der letzte Segelfischer, ein Fischländer, das Grundschleppnetzfischen unter Segeln eingestellt. Einmal im Jahr wird in Althagen noch ein Schauzeesen veranstaltet, um diese alte Fischfangmethode für die Nachwelt zu erhalten.

Zeesboote haben sehr gute Segeleigenschaften, die früher zum Aufkreuzen zwischen zwei Driften nötig waren. Eine Eigenschaft, die sie für die Umnutzung als Sportboot prädestiniert hat. Regatten wurden zwar schon früher gesegelt, aber als Sportbootklasse begannen die alten Holzboote in den sechziger Jahren bei Regatten mit zu mischen. Die Wustrower Zeesbootregatta findet jedes Jahr am ersten Wochenende im Juli statt. Im Jahr 2009 zum 25. Mal.

Auffallend an den Zeesenbooten sind die braunen Segel. Die Baumwollsegel wurden früher mit Ockerfarbe, Holzteer, Lebertran, Gerblauge aus Eichenrinde und Rindertalg imprägnier, „geloht“, um sie länger haltbar zu machen. So erhielten sie eher nebenbei ihre typische Farbigkeit.

Zeesenboote wurde mit Klinker- oder Karweelbeplankung in Schalenbauweise gebaut. Dafür wurde Eiche und Lärche verwendet. Damit das Fahrzeug zeesen konnte, musste das Unterwasserschiff sehr flach sein. Anfangs hat man mit einem Seitenschwert gearbeitet. Als in Deutschland das Mittelschwert bekannt wurde, hat man dieses sofort übernommen. Der Tiefgang der Boote ist häufig geringer als 1 Meter, die Rumpflängen schwanken zwischen 7 und 12 Meter. Segelfläche haben sie zwischen 49 und 120 Quadratmetern.

Die Takelage hat sich kaum verändert. Zeesenboote sind Slup oder Ketsch getakelt. Der Großmast ist mit Wanten und Stagen versehen, der Besan kann freistehend sein. Als Vorsegel dienen Fock und Klüver. Der Klüverbaum dient gleichzeitig als Halterung des vorderen Driftbaumes, der zusätzlich ausgeschoben werden konnte. Die Schoten werden auf der Luvseite dichtgeholt und das Schwert aufgeholt: So konnte des Zeesboot quer zum Wind driften und die Zeese als Grundschleppnetz auf der Luvseite gezogen werden.

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