Badewesen

Wustrow kann auf eine über 125jährige Seebad-Tradition zurückblicken. Der Ort hat sich über all die Jahre seine persönliche und lebendige Atmosphäre erhalten und bietet Unterkunft, Gastronomie, Feste und Erholung für jeden Geschmack.

Die Geschichte der deutschen Ostseebäder beginnt 1793 in Heiligendamm. Dort wurde damals das erste Seebad eröffnet. Rund 100 Jahre später gab es die ersten Strandkörbe. Zwar wurde damals schon das Nacktbaden leibärztlich empfohlen, doch körperliche Bräune galt als ordinär und bäurisch, so dass man das Ostseewasser lieber im Badehaus oder im Badekarren genoß.

Mit Pferden bespannte Umkleidekabinen wurden bis ins hüfttiefe Wasser hineingezogen, wobei Herren- und Damenbadestrände selbstverständlich weit auseinander lagen. Alles lief diskret hinter Sichtblenden ab und man badete hochgeschlossen. Um 1850 entwickelte sich eine eigenständige Bademode mit weiten Hemden, pludrigen Beinkleidern und rüschenbesetzen Hauben, wie wir das von alten Postkarten kennen.

Im Jahre 1856 versuchte der Arzt Christian Boldt aus Wustrow einen Badeort zu machen. Er hatte erkannt, welche vorzügliche Lage und Eignung der Ort dazu hatte. Er ließ Badehütten am Strand aufstellen. Zunächst allerdings, in der Blütezeit der Segelschiffahrt, zeigten die ortsansässigen Schiffer daran kein großes Interesse. So ebbte diese erste zarte Gästewelle bald wieder ab. Als um 1870 die Dampfschiffahrt die großen Segelschiffe verdrängte und die Existenzgrundlage vieler Fischländer bedrohte, erinnerte man sich wieder an die Badegäste.

Zehn Jahre später wurde durch das Engagement des Ortspfarrers Morich der „Gemeinnützige Verein Wustrow von 1880“ gegründet. Man erkannte, daß nur gemeinsame Anstrengungen und Umgestaltungen im Ort zum Ziel führen können. Wie aber macht man nun aus so einem abgelegenen Schifferdorf wie Wustrow einen ansprechenden Badeort ? Zunächst einmal wurden Fischländer ausfindig gemacht, die bereit waren, zu vermieten und auch Gäste zu verpflegen. Dann wurden die Quartiere auf ihre Brauchbarkeit überprüft und die Preisvorstellungen abgestimmt. Die Zimmer waren meist nicht zu beheizen. Zum Waschen gab es eine Kanne Wasser natur-kalt aus dem Brunnen, das Plumsklo auf dem Hof und nachts den Topf unter dem Bett. Badewannen gab es in den soliden Schifferhäusern nicht. Als Beleuchtung dienten Kerzen und Ölfunzeln. Dann sollte das Dorf verschönert werden.

Die Straßen wurden zu Alleen und man pflanzte Bäume an Bodden und Strand. Ein Herren- und ein Damenbad entstand. Natürlich in angemessener, „züchtiger“ Entfernung voneinander, mit Badehütten am Strand und Badestegen, die ins Wasser reichten. Das Badeareal wurde mit Seilen eingegrenzt und überall wurden Bänke aufgestellt. Sogar eine Badeordnung hat der gemeinnützige Verein verfaßt und genehmigen lassen: Ein Erwachsener zahlte 3,00 Mark, ein Kind 2,00 Mark für eine Saisonkarte. Die Einzelkarte kostete 15 Pfennig. Zum Vergleich: Ein Matrose verdiente zur damaligen Zeit 40 Mark im Monat.

Schließlich setzte man in Zeitungen Inserate, daß es jetzt ein Ostseebad Wustrow überhaupt gab. Badekarten wurden gedruckt, Badediener engagiert und dann – am Sonntag, den 25. Juni 1881 wurde die erste Badesaison in Wustrow eröffnet. Diese erste Saison 1881 verlief zufriedenstellend. Über 100 Gäste waren gekommen und das ermutigte alle dazu, weiterzumachen. Und die Gäste kamen.

Allerdings war die Anreise nicht ohne: Bis Rostock reiste man mit der Bahn, dann 2 ½ Stunden mit der Postkutsche bis Ribnitz und von dort bestieg man mit dem Segelboot oder den Dampfer und kam nach einer guten Stunde in Wustrow an. Der Dampfer verkehrte zwei Mal am Tag zwischen Ribnitz und Wustrow und es konnte einem passieren, dass gleichzeitig auch Kühe, Schafe und Schweine mitreisten, oder auch Güter und die Post transportiert wurden.

Im Laufe der Zeit vermißten die Gäste ein Lokal am Strand - für gastronomische Betreuung und als Zuflucht bei Regenwetter. Anfang Juli 1882 wurde daraufhin ein hölzener Strandpavillon eröffnet. An der gleichen Stelle eröffnete 1933 das Fischland-Café errichtet und im Jahre 2000 das Restaurant Moby-Dick. So wurde Badesaison für Badesaison aus Wustrow das gemütliche und beliebte Ostseebad, dass es heute ist. 1913 hatte Wustrow drei Hotels sowie rund 100 Privatwohnungen. Im Jahre 2009 verfügt der Ort über Gastronomie, Ladengeschäfte und Unterbringungsmöglichkeiten, vom Privatzimmer über Ferienhäuser bis zum 4-Sterne-Hotel, für rund 3000 Gäste – und bewahrt dabei den Charme eines lebendigen und authentischen Ortes.

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